Donnerstag, 02.04.2026
Uli Auffermann

Über den Schrofenpass in den Süden

Auf dem Historischen säumerweg südlich von Oberstdorf fand einst ein reger Handelsverkehr

Wenn man in den Sommermonaten dem Stillachtal nach Süden folgt, an Birgsau vorbei hinein ins Rappenalptal wandert, bis die kleine Straße an der Unteren Biberalp endet, hier über Fußwege dem Haldenwanger Bach nachgeht und schließlich unterhalb des Gehrner Berges Richtung Osten aufsteigend abzweigt, erreicht man an einem der südlichsten Punkte Deutschlands den Schrofenpass.

Von der Passhöhe, auf der die deutsch-österreichische Grenze verläuft, gelangt man direkt hinunter ins Lechtal, um vielleicht das malerische Bergdorf Lechleiten
kennenzulernen oder dem bekannten Urlaubsort Warth einen Besuch abzustatten. Eine schöne, aber auch anspruchsvolle Bergtour, für die man nicht unter sechs Stunden Gehzeit einplanen sollte.

Bilder Schrofenpass: OASE alpin

Im Rappenalptal
Gruppe auf dem Schrofenpass

Dass man sich bei dieser Wanderung über denSchrofenpass auf historischem Boden bewegt, ist allgemein etwas in Vergessenheit geraten. Diese kürzeste Verbindung von Norden nach Süden über die Allgäuer Berge soll schon in der Zeit der Kelten bekannt gewesen und auch von den Römern genutzt worden sein. Denn trotz seiner Höhe von 1.687 Metern ist er der niedrigste Übergang Richtung Arlberg. So kamen auch nach 1495, als Oberstdorf das Marktrecht erhielt, viele Händler aus den benachbarten Regionen ebenfalls direkt auf diesem Weg über den Kamm, um ihre Waren hierher zu bringen oder eigene Käufe mit zurück in die Heimat zunehmen. In jener Zeit stellte der Pass die mit Abstand wichtigste Verbindung zum vorarlbergischenTannberggebiet und ins Tiroler Lechtal dar, obwohl es andere Übergänge gab, wie etwa über das Mädelejoch. Der Schrofenpass war ein beliebter, viel begangener Handelsweg, der nur für Träger und Säumer mit ihren Tieren passierbar war. Und doch fanden so ganze Viehherden ihren Weg auf die Märkte.

Auch die Gemeinden Warth, Lech und Zürs profitierten vom Schrofenpass als Handelsroute. Sie beauftragten deshalb 1795 einen Trupp von Arbeitern, den Pfad auszubauen und vor allem entlang einer etwa 200 Meter langen Steilwand einen knapp zwei Meter breiten Weg aus dem Fels zu sprengen, abgesichert durch eine niedrige Außenmauer. Das wussten gewiss auch Napoleons Truppen zu schätzen, als im Jahr 1800 an einem einzigen Julitag gleich um die 400 Soldaten und Reiter über den Pass zogen. Für Oberstdorf sollten sich 1865, nach dem verheerenden Brand im Ort, dank des Schrofenpasses die engen Beziehungen zu den Nachbarn erneut als großer Vorteil erweisen, sorgten doch die Lechtaler Gemeinden mit ihren Krediten für einen deutlich schnelleren Wiederaufbau

Der Handelsweg über den Schrofenpass wurde aufgegeben, seitdem Straßen schnell und bequem nach Vorarlberg und Tirol führen.

Trotzdem war er im Laufe der Zeit immer mal wieder interessant auch für Schmuggler. Heute ist er ein wichtiger Teil der Mountainbike-Route von Oberstdorf über die Alpen, und auch erfahrene Bergwanderer nutzen den uralten Passweg als Übergang, zum Beispiel auf dem Weg von der Rappenseehütte hinüber zum Waltenberger Haus.

Mit drahtseilversicherten Abschnitten, einer schmalen, ausgesetzten Passage entlang einer Felswand und zwei luftigen, über Abgründe führenden Metallstegen braucht es hier unbedingt ausreichend Erfahrung, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit.

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