Dienstag, 02.10.2018
Uli Auffermann

Erstbegehung Südwestgrat Himmelhorn

Damals ... im Oktober 1910... Hermann Rädler gelingt die Erstbegehung des Südwestgrates am Himmelhorn.

Das Allgäu hat ohne Zweifel ganz besondere Berge! Denn hier findet man bis in die Gipfelregion mit Grasflächen bedeckte kühne Gebirgserhebungen. Steilste Flanken, unterbrochen von schroffen Felskanten, wurden von der Natur zu aufregenden Linien und Formgebungen gestaltet. Höfats oder Himmelhorn sind solch spezielle Berge von unverwechselbarer Allgäu-Charakteristik.

Magisch zogen sie einst die Alpinisten an, die sich mit schwierigen und gefährlichen Routen an ihnen verewigten. Der „Rädlergrat“ zum Himmelhorn darf sicher zu den wagemutigsten Taten im steilen Grasfels gezählt werden. Schon 1910 kletterte der Langenwanger Hermann Rädler allein über den später nach ihm benannten Grat auf das Himmelhorn.

Der Kletterpionier war Mitglied und später Ehrenmitglied der Sektion Allgäu-Immenstadt und gehörte darüber hinaus der Münchner Gruppe „Berggeist“ an. Von seiner Erstbegehung am Himmelhorn hatte er erst einmal nichts erzählt. Erst vier Jahre später wurde einer seiner Haken entdeckt, und seitdem heißt der Südwestgrat „Rädlergrat“.

Diese so elegante Himmelsleiter wurde ebenso berühmt wie berüchtigt und von vielen Bergsteigern aufgesucht, ja sie war zusammen mit der Höfats lange Zeit die bekannteste Steilgrastour des Allgäus überhaupt.

Eine Paraderoute, die selbst die klingendsten Namen der Alpinisten-Elite anlockte. Dabei ist das 2.211 Meter hohe Himmelhorn mit seiner gewaltigen Steilflanke hinab ins Oytal genau genommen gar kein Gipfel an sich, sondern eine Schulter am Südwestgrat des Schneck (2.268 m).

Heutzutage bekommt die Tour wahrscheinlich kaum mehr als eine Handvoll Besucher. Sie bleibt Spezialisten vorbehalten, extremen Kletterern mit großer Erfahrung im heiklen, kombinierten Gras-und-Fels-Steilgelände. Denn der „Rädlergrat“ ist zweifellos schwieriger als so mancher Höfatsanstieg.

Wie schön, dass man den Grat am Himmelhorn auch anders erleben kann, nämlich bei einer Wander- oder Mountainbike-Tour als faszinierenden Anblick von der Käseralpe aus! Dazu führt der Weg in Oberstdorf von der Talstation der Nebelhornbahn zu Beginn erst einmal zum am Rand des Ortes gelegenen Schattenberg-Skistadion. Dort muss man sich rechts halten und nach einem kurzen Steilstück der asphaltierten Straße nur leicht ansteigend hinein ins Oytal folgen. Das einladende Oytalhaus (1.006 m) mit Gastronomie wird im weiteren Verlauf für eine erste kleine Rast passiert. Von dieser Stelle aus kann man auch einmal einen Blick auf die berüchtigten Seewände werfen.

Schon manchem Wanderer, der im Abstieg den Weg verfehlt hat, sind diese Abbrüche zum Verhängnis geworden! Weiter geht es nun nach wie vor im Tal des Oybachs noch immer mäßig ansteigend über eine Schotterstraße zur Unteren Gutenalpe und anschließend zum Prinzenkreuz. Jetzt folgt das steilste Wegstück. Ein wunderbarer Abschnitt, der am Stuibenfall vorbei – dabei teilweise asphaltiert – weiter stramm aufwärts bis zum Ziel an der rund 1.400 Meter hoch gelegenen Käseralpe leitet. Von hier aus hat man dann eine traumhafte Aussicht auf die berühmte Gratschneide des „Rädlergrates“, die kühn geschwungen hinauf zum Himmelhorn am Schneck verläuft!