Ein guter Anlass, einmal zurückzublicken auf die Anfänge des Kurbetriebs in Oberstdorf, denn schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier die erste Badestube eröffnet. Georg Hitz, ein örtlicher Bäcker, kam auf die Idee, den Urlaubsgästen ein „Wannenbad“ anzubieten, das er zu diesem Zweck in den Räumen gleich hinter seiner Backstube einrichtete. Er erweiterte dabei im Verlauf die heilklimatische Wirkung der Gebirgsluft und der anregenden Bewegung inmitten der Allgäuer Berglandschaft durch das Angebot medizinischer Bäder – mit großem Erfolg.
In der Pfarrstraße, im sogenannten Schochenhaus, betrieb Hitz von 1894 an eine Bäckerei mit Laden, sodass er damals für seine Badestube – ganz im heutigen Sinne derNachhaltigkeit – die hohen Temperaturen des Backofens mitnutzen konnte. In jenen frühen Tagen des Tourismus freuten sich die Sommergäste über die einmalige Gelegenheit, ein warmes Wannenbad nehmen zu können, denn weitere öffentliche Bäder gab es im Dorf noch nicht, einmal abgesehen von den Badeanstalten am Moorweiher und am Freibergsee. Die Nachfrage war so groß, dass Bäcker Hitz weitere Baderäume einrichtete. Zusätzlich baute die Familie einen Teil des Hauses um, damit sie auch Gäste beherbergen konnte. Nach umfangreichen Umbauten und der Anschaffung eines großen Heißwasserboilers reichte der Platz im Haus nicht mehr aus, die Bäckerei wurde in ein neues Gebäude verlegt. Zehn Baderäume mit insgesamt zwölf Email-Wannen standen den Gästen mittlerweile zur Verfügung. So kam es vor, dass in der Ferienzeit mehr als 120 Wannenbäder pro Tag gefüllt wurden.
Zudem gab es eine Holzwanne speziell für Moorbäder. Denn neben den einfachen Warmbädern hatte Familie Hitz auch Moor-, Sole- und Kiefernnadelbäder mit selbstgewonnenen Extrakten sowie Kohlensäure- und Sauerstoffbäder im Angebot. Später stellte Hitz für seine Kundschaft einen sogenannten Schwitzkasten als Vorläufer einer Sauna auf. Die „Kuranstalt Schochenhaus“ erwarb sich einen guten Ruf und eine große Zahl an Stammkunden, darunter einige mit rheumatischen und anderen Beschwerden. Nicht wenige schworen auf die Badekuren zur Heilung oder Linderung, immer aber auf die Wohltat für Körper und Seele. Tochter Christine übernahm 1921 mit ihrem Mann Matthäus Maucher den Betrieb an der Pfarrstraße. Das „Kurbad Maucher“, das noch lange von der Familie geführt und eine echte Instanz in Oberstdorf wurde, hatte nun auch
Nach dem Zweiten Weltkrieg hielten dort erstmals eine Sauna und ein Tauchbecken Einzug. Seinerzeit nicht ganz unumstritten im Ort, empfand so mancher doch noch den Besuch einer Sauna als ziemlich anstößig! Oberstdorf aber war damals bereits seit einigen Jahren anerkannter Heilklimatischer Kurort, eine Auszeichnung, die der Marktgemeinde als zweitem Ort in Bayern 1937 zuteilwurde.
Heute wissen wir nur zu gut, wie herrlich es ist, in den Allgäuer Alpen die besonderen Kräfte der Bergnatur mit allen Sinnen zu genießen. Und mit der Therme Oberstdorf gibt es jetzt noch einen weiteren Platz, der ganz und gar für Wellness und Wohlbefinden steht!
Die neue Therme Oberstdorf verbindet die Gegenwart mit der Geschichte des Ortes und setzt eine Tradition fort, die vor über 100 Jahren begann. Hier kommt man nicht nur zur Entspannung – man kommt, um sich wohlzufühlen, tief durchzuatmen und sich daran zu erinnern, was echte Erholung wirklich bedeutet.