Montag, 18.02.2019
Tourismus Oberstdorf
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Wildfütterung im Winter

Das Schalenwild, in erster Linie Rotwild und Rehwild, wird im Winter während der sogenannten Notzeit bei uns gefüttert. Wir haben bei Herrn Kaiser, einem Berufsjäger, etwas genauer nach dem "Wie" und "Warum" gefragt.

Die Fütterungszeit des Wildes dauert erfahrungsgemäß ca. sechs Monate und sollte idealerweise fließend vom Herbst in den Winter sowie anschließend in den Frühling übergehen, um die vegetationsarme Zeit für das Wild bestmöglich zu überbrücken.

Das bedeutet, dass sich zum Beispiel das Rotwild an eigens dazu eingerichteten Fütterungsplätzen in den Revieren einfindet und dort vom zuständigen Berufsjäger artgerechtes Winterfutter in ausreichender Menge erhält.

Für die Fütterung von Rot- und Rehwild im Stillachtal ist Christian Kaiser zuständig. Er ist seit 14 Jahren Berufsjäger und betreut die verpachtete Genossenschaftsjagd „Oberstdorf-Land“ sowie das ebenfalls verpachtete Eigenjagdrevier der Gemeinde Oberstdorf „Leiterberg-Anatswald“.

Bei ihm haben wir einmal etwas genauer nachgefragt:

Warum ist es überhaupt wichtig Hirsche und Rehe im Winter zu füttern und welche Auswirkungen hat das Füttern auf die Tiere?

Kaiser: Da das Rotwild vom Ursprung her eine Wildart der Steppe und des Offenlandes ist und dementsprechend zur Überwinterung eigentlich ins Flachland und die Flussauen ziehen würde, wäre eine Winterfütterung bei uns in den Bergen von Natur aus eigentlich nicht notwendig. Aufgrund der über die Zeit „zugebauten“ Landschaften, beispielsweise in Form von Straßen, sind dem Rotwild diese weiten Wanderungen nicht mehr möglich, weshalb es auch zur Vermeidung von Wildschäden hier gefüttert wird.
Nur durch das Verfüttern artgerechter Futtermittel in ausreichender Menge und vor allem genügend Ruhe am Futterplatz und in den Ruhezonen, kann das Wild stressfrei und ohne in forstwirtschaftlichen Flächen Schäden anzurichten durch den Winter kommen. Außerdem kann durch die Winterfütterung auch die natürliche Wintersterblichkeit reduziert werden.

Welche Tiere kommen zur Fütterung?

Kaiser: Wie bereits erwähnt, werden in erster Linie Rotwild (Hirsche) und Rehe gefüttert. Und um es hier noch einmal klarzustellen: Der Hirsch ist NICHT der Papa vom Reh ;-) Das sind zwei völlig unterschiedliche Wildarten.

Welche Arten von Fütterungsstellen gibt es?

Kaiser: Bei den Futterstellen handelt es sich um „freie Fütterungen“ oder sogenannte „Wintergatter“, welche dem Rotwild über Generationen bekannt und vertraut sind. Bei den Wintergattern wird, anders als bei einer freien Fütterung, ein großzügiger Fütterungseinstand, der meist zwischen 20 und 60 Hektar beträgt, eingezäunt und somit nicht das Wild ein-, sondern der Mensch ausgesperrt! Somit wird dem Wild die wichtige Ruhe in den Wintermonaten zugestanden.

Wie viele Wildfütterungsstellen gibt es denn in und um Oberstdorf und wie groß ist das Einzugsgebiet der Tiere?

Kaiser: Im Hegering Oberstdorf mit seinen knapp über 18.000 Hektar Fläche sind aktuell zehn Rotwildfütterungen, davon zwei Wintergatter, in Betrieb.
Wie schon angesprochen, kann insbesondere Rotwild weite Strecken zurücklegen. Die Wildfütterungen sind jedoch in den Jagdrevieren so verteilt, dass die Tiere keine großen Wanderungen mehr unternehmen müssen. Oft sucht das Rotwild Jahr für Jahr die gleichen Fütterungen auf.

Wie viele Tiere kommen an die Winterfütterungen?

Kaiser: Die Größe der Futterbestände an den jeweiligen Fütterungen variiert zwischen 20 bis 100 Stück Rotwild je Fütterung, welche sich jedoch aufgrund des natürlichen Verhaltens des Wildes, oder durch Störung dritter zwischen den einzelnen Fütterungen verschieben können.

Wie häufig und was wird dort gefüttert?

Kaiser: Da Rotwild eine sehr soziale und sensible Tierart ist, muss täglich und zur selben Uhrzeit, wenn möglich von derselben Person gefüttert werden.
Das Winterfutter besteht aus struktur-, sowie saftreichem Futter wie Heu, Futterrüben, Gras- oder Mischsilagen.

Woher kommt das Futter und wie wird das Ganze finanziert?

Kaiser: Das Futter wird in der Regel von den regionalen Landwirten und Futtermittelbetrieben bezogen. Es dürfen nur qualitativ hochwertige Futtermittel in Frage kommen. Die Futtermittel-, Lohn- und anderen Betriebskosten werden vom Besitzer bzw. Jagdpächter eines Jagdreviers getragen.

Damit auch wir uns als Erholungssuchende und Freizeitsportler im natürlichen Lebensraum und nahe der Fütterungsstellen des Wildes richtig verhalten und den Bedürfnissen der Tiere nachkommen können, gibt uns Herr Kaiser noch ein paar wertvolle Tipps mit auf den Weg:

Die Tiere sollten beim Fressen nicht gestört werden!

Kaiser: Das Wild ist in der Lage zur Winterzeit seinen Stoffwechsel herunterzufahren und diesen an die Gegebenheiten anzupassen. Nur durch die Ruhe am Futterplatz sowie den Tageseinständen, in Verbindung mit dem bereits angesprochenen artgerechten Winterfutter in ausreichender Menge, ist es für das Schalenwild möglich, die Wintermonate stressfrei zu überbrücken und das Risiko der oben genannten Wildschäden im Forst und die Wintersterblichkeit zu minimieren.

Daher gilt:
Kaiser: Bei Wanderungen, Schnee- oder Skitouren unbedingt an die ausgewiesenen Wege, Trails oder präparierten Pisten halten!
Hunde in Waldgebieten unbedingt anleinen!
Wildfütterungen und Wildruhezonen nicht betreten!

Nicht jeder darf und sollte füttern!

Kaiser: Die Wildfütterung darf nicht missbräuchlich betrieben werden. Das heißt, nur der Jagdausübungsberechtigte darf/muss das Wild in der Notzeit füttern! Ungeeignete Futtermittel wie Brot schaden den Tieren!

Der "Zämed duss Tipp" von Christian Kaiser:

Wenn jeder naturbegeisterte „Outdoorfan“, egal ob er Urlauber, Freizeitsportler, Skifahrer, Mountainbiker, Kletterer oder Gleitschirmflieger ist, seinen gesunden Menschenverstand draußen in der Natur walten lässt, sind im Zusammenhang mit den hier heimischen Wildtieren schon die wichtigsten Regeln befolgt und dem Tatendrang draußen in der Natur eigentlich keine Grenzen gesetzt.