Ein Geotop ist ein besonderer Ausschnitt der unbelebten Natur. Dazu gehören beispielsweise außergewöhnliche Felsformationen, Gesteinsaufschlüsse, Höhlen, Quellen, Klammen oder besondere Landschaftsformen.
Sie sind deshalb wertvoll, weil sich an ihnen geologische Prozesse besonders gut erkennen und nachvollziehen lassen. Sie zeigen, wie Landschaften entstanden sind, welche Gesteine sich hier gebildet haben und welche Kräfte über Millionen von Jahren auf sie eingewirkt haben.
Ein Geotop muss dabei nicht immer spektakulär aussehen. Manchmal steckt die Besonderheit in einer Gesteinsschicht, einer auffälligen Faltung oder einer Form, die Wasser, Eis und Verwitterung im Laufe der Zeit geschaffen haben.
In Oberstdorf wird diese Erdgeschichte besonders eindrucksvoll sichtbar.
In Oberstdorf wird diese Erdgeschichte besonders eindrucksvoll sichtbar. Die Breitachklamm ist dabei eines der bekanntesten Beispiele. Aber auch die Judenkirche, ein beeindruckender natürlicher Felsbogen bei Tiefenbach, erzählt von den Kräften, die das Gestein über Jahrmillionen verändert haben. Der etwa 15 Meter breite Felsbogen entstand im Schrattenkalk durch geologische Prozesse und die anschließende Herauswitterung und Abtragung des Gesteins. Die Judenkirche ist heute als Naturdenkmal geschützt und als wertvolles Geotop ausgewiesen.
Auch der Seealpsee ist ein Geotop und zeigt, welche Spuren die Eiszeit in der Landschaft hinterlassen hat. Der See liegt in einem durch Gletscher geformten, etwas übertieften Tal und ist mit etwas 42 Metern der tiefste See der Allgäuer Alpen. Seine Umgebung macht sichtbar, wie die Gletscher während der Eiszeiten die heutigen Täler und Landschaftsformen geprägt haben.
Breitachklamm, Judenkirche und Seealpsee könnten unterschiedlicher kaum sein. Und doch erzählen sie alle auf ihre eigene Weise von der Entstehung und Veränderung der Landschaft rund um Oberstdorf. Wer mit diesem Wissen unterwegs ist, entdeckt in den Bergen plötzlich nicht nur schöne Felsen, einen Bergsee oder eine Schlucht, sondern Spuren einer Geschichte, die Millionen Jahre zurückreicht.
Wenn Du durch die Breitachklamm gehst, blickst Du also nicht einfach auf eine beeindruckende Schlucht. Du wanderst mitten durch ein Stück Erdgeschichte.
Die Felsen der Breitachklamm bestehen unter anderem aus Schrattenkalk. Dieses Gestein entstand vor rund 125 Millionen Jahren aus Ablagerungen eines flachen Meeres. Damals sah die Landschaft rund um Oberstdorf noch völlig anders aus.
Was danach geschah, lässt sich heute in der Klamm ablesen. Die Gesteinsschichten wurden durch die Kräfte der Erdgeschichte verändert und gefaltet. Wasser, Eis und Verwitterung arbeiteten über sehr lange Zeit an dem Gestein. Die Breitach grub sich immer tiefer in den Untergrund und formte die beeindruckende Schlucht, die wir heute kennen.
Besonders spannend sind dabei die Spuren, die das Wasser hinterlassen hat. Strudeltöpfe und andere Auswaschungen zeigen, wie die Kraft des fließenden Wassers das Gestein bearbeiten kann. Was heute wie eine kunstvolle Skulptur aussieht, ist das Ergebnis eines natürlichen Prozesses, der bis heute weitergeht.
Wenn Du durch die Breitachklamm gehst, lohnt es sich deshalb, den Blick nicht nur nach oben auf die steilen Felswände zu richten.
Achte einmal auf:
So wird aus einer Wanderung durch eine Schlucht plötzlich eine kleine Reise durch die Erdgeschichte.
Geotope sind nicht nur spannend, weil sie etwas über die Vergangenheit erzählen. Sie sind auch wertvolle Bestandteile unserer Landschaft und verdienen besonderen Schutz. Denn viele geologische Strukturen sind einzigartig oder besonders empfindlich. Deshalb gilt auch hier: auf den markierten Wegen bleiben, keine Gesteine herausbrechen oder mitnehmen und die Natur so hinterlassen, wie Du sie vorgefunden hast.
Gerade die Breitachklamm zeigt eindrucksvoll, wie eng Naturerlebnis und Schutz miteinander verbunden sind. Die Klamm darf sich weiterentwickeln, während wir sie beobachten und erleben können.
Im Rahmen des Tags des Geotops lädt die Breitachklamm zu einem abwechslungsreichen Aktionstag rund um Natur, Geologie und die Entstehung der Breitachklamm ein. Eine schöne Gelegenheit, die Klamm einmal aus einer ganz neuen Perspektive zu entdecken.

Natürlich ist die Breitachklamm auch außerhalb des Aktionszeitraums immer einen Besuch wert.
Noch mehr spannende Informationen und Tipps für einen Ausflug zur tiefsten Felsenschlucht Mitteleuropas findest Du auf der Website: