Schon der Weg dorthin entschleunigt. Das Rauschen der Trettach begleitet Dich, der Wald wird dichter, die Luft frischer. Und dann liegt er plötzlich vor Dir. Ein See, der nicht laut beeindruckt, sondern leise berührt.
Egal zu welcher Jahreszeit Du am Ufer stehst, der Christlessee überrascht jedes Mal aufs Neue. Seine intensiven Blau- und Grüntöne wirken fast unwirklich und verändern sich mit Licht, Wetter und Jahreszeit. Mal schimmert das Wasser tiefblau, mal leuchtet es smaragdgrün. Selbst wenn Du schon oft hier warst, bleibt dieses Staunen.
Der Grund dafür liegt verborgen unter der Oberfläche. Der Christlessee wird von unterirdischen Quellen gespeist. Das Wasser ist besonders klar, konstant kühl und ständig in Bewegung. Genau deshalb friert der See selbst im Winter nicht zu. Während ringsum Schnee und Eis die Landschaft friedlich zudecken, bleibt seine Oberfläche offen und lebendig. Ein Anblick, der fasziniert und zur Ruhe kommen lässt.
Aus dem geschützten Gebiet rund um den Christlessee stammt ein Teil des Oberstdorfer Trinkwassers. Die Qualität dieses Grundwassers ist so hoch, dass es für die offizielle Trinkwasserversorgung genutzt werden kann, ohne aufwändige Aufbereitung. Was hier unter der Erde entsteht, versorgt Haushalte, Menschen und den Alltag in Oberstdorf und ist damit ein unsichtbarer, aber unverzichtbarer Teil des Lebens im Ort.
Vielleicht spürst Du genau das, wenn Du am Ufer sitzt. Du blickst auf Wasser, das aus tiefen, geschützten Quellen kommt, ruhig durch den See fließt und seinen Weg fortsetzt. Wasser, das nicht nur Landschaft und Pflanzen prägt, sondern auch weit über diesen Ort hinaus wirkt.
Unser Körper reagiert auf diese Ursprünglichkeit. Wasser steht für Sicherheit, Beständigkeit und Leben. Evolutionsbiologisch fühlen wir uns in der Nähe von sauberem Wasser besonders wohl. Es sendet ein Signal an unser Nervensystem, dass wir an einem guten Ort sind. Am Christlessee wird dieses Gefühl besonders intensiv. Vielleicht, weil hier alles so klar ist. Nicht nur das Wasser, sondern auch der Moment.
Es ist auch sehr schwierig zu sagen, zu welcher Jahreszeit es am Christlesse am Schönsten ist. Im Frühling spiegelt sich das frische Grün der Wiesen im Wasser. Im Sommer wirkt der See kühlend und klar, ein idealer Ort für eine Pause nach einer Wanderung oder Radtour. Im Herbst leuchten die Wälder in warmen Farben und bilden einen starken Kontrast zum tiefen Blau des Sees. Und im Winter liegt eine besondere Stille über dem Tal, während der Christlessee ganz ohne Schnee und Eis seinen besonderen Zauber verbreitet.
Der See ist das ganze Jahr über gut erreichbar. Wander- und Radwege führen direkt vorbei, auch in der kalten Jahreszeit ist der Weg gut begehbar. Genau das macht ihn zu einem Ort, den Du immer wieder besuchen kannst. Ohne große Planung. Einfach dann, wenn Dir nach Ruhe ist.
Der Christlessee ist kein Platz für Eile. Er ist ein Ort zum Nachdenken, zum Genießen und zum Durchatmen.
Vielleicht ist es genau das, was ihn zu einem echten Glücksort macht. Nicht spektakulär im klassischen Sinn, sondern tief berührend. Ein See, der bleibt. In der Erinnerung, im Gefühl und manchmal auch ein kleines Stück im Herzen.
Wenn Du das nächste Mal in Oberstdorf bist, nimm Dir Zeit für diesen besonderen Ort. Geh langsam. Setz Dich ans Ufer. Schau auf das Wasser. Und lass den Christlessee seine Wirkung entfalten.