Donnerstag, 26.04.2018

Auf Blümchentour mit den Heckmairs

Damals vor 50 Jahren ...

Am Söllereck starten im Frühjahr 1968 die geologisch-botanischen Führungen.

Mehr als drei Jahrzehnte konnten sich interessierte Gäste den am Söllereck angebotenen Wanderungen anschließen, die damals von keinem Geringeren als Anderl Heckmair (1906–2005), dem weltberühmten Oberstdorfer Bergführer und Erstbegeher der Eiger-Nordwand, und seiner lieben Frau Trudl geleitet und liebevoll „Blümchentouren“ genannt wurden. Heckmair, der sich auch dank eines Gartenbaustudiums bestens mit Bodenstruktur und Geologie auskannte, übernahm bei den informativen kleinen Touren diesen Teil, und Trudl Heckmair, eine ausgezeichnete Pflanzenkennerin, erklärte die botanische Vielfalt. Ein Erlebnis für alle Teilnehmer, wussten die beiden doch lehrreiche Stunden mit humorvollen Anekdoten aus den Bergen aufzulockern.

Für den weitgereisten Bergführer blieb es stets besonders wichtig, Menschen die Augen für die Schönheit und Einzigartigkeit der Allgäuer Bergnatur zu öffnen und ihnen Wissen zur Entstehungsgeschichte der Gebirge zu vermitteln. Als schließlich die Führungen eingestellt werden mussten, fiel es den beiden doch schwer, die ans Herz gewachsene Tradition aufzugeben. Schmunzelnd erinnert sich seine Witwe Trudl zurück: „Gerne merkte mein Mann dann an, dass er die von mir gepflückten Pflanzen hernach zu Hause zum Essen vorgesetzt bekäme – während ich darauf hinwies, wirklich immer nur das zu sammeln, was man auch ganz sicher kennt!“

Seit 2012 leitet Irmela Fischer – ausgebildete Bergwander- und Naturführerin – die geologisch-botanischen Wanderungen. „Ich starte jeweils Anfang Mai, und Schluss ist erst, wenn die Bahn im
November in Revision geht. Immer dienstags um 9.30 Uhr ist Treffpunkt an der Talstation, und das bei jedem Wetter!“ Nach wie vor sei es ein kostenloses Angebot der Söllereckbahn, bei dem die Gäste nur die Auffahrt mit der Bahn bezahlen müssten, und ohne Anmeldung möglich. „Meist sind es – je nach Wetter – etwa 5 bis 25 Leute, die ich mitnehme.“ Dass Anderl und Trudl Heckmair diese Führungen bis in die 1990er-Jahre hinein geleitet haben, weiß Irmela Fischer natürlich, die als Kind selbst einmal mit ihren Eltern dabei war.
„Die Heckmairs haben es gemacht, bis die Söllereckbahn umgebaut wurde“, berichtet Frau Fischer. „Anschließend war eine Zeit Ruhe, auch weil die Leute die Naturgeschichten nicht mehr so interessiert haben. Dann sprach die Leitung der Söllereckbahn mich an, ob ich diese Führungen übernehmen wollte.“

Und auf einer der ersten Touren ließ es sich auch Trudl Heckmair nicht nehmen, noch einmal mitzugehen. „Ich mache aber keine reine Blumenwanderung wie bei manch anderem Angebot an Fellhorn oder Nebelhorn“,
erklärt Irmela Fischer, „mir geht es um die Zusammenhänge, verstärkt um die Naturerlebnisräume, denn das ist heute viel mehr ein Thema.“ Dabei käme es immer wieder zu spannenden Begegnungen.
„Einmal war ein Moosspezialist aus den neuen Bundesländern dabei, mal ein Jäger aus dem Kleinwalsertal oder immer wieder auch Gäste, die schon ganz oft, aber auch bei einer lange
zurückliegenden Gelegenheit mitgegangen sind und über Veränderungen berichten können“, freut sich Fischer. „Wirklich oft kommt es so zu schönen Gesprächen!“

Regina Titscher

Tourismus Oberstdorf - Gästeprogramm

Gehen Sie auf geführte Natur-Tour

Die Wandergebiete Nebelhorn, Söllereck und Fellhorn mit ihren zahlreichen seltenen Pflanzen gehören zu den schönsten Blumenbergen der Region. Einblicke in das Geschichtsbuch der Erde und Wissenswertes über Fauna und Flora geben die geologisch-botanischen Wanderungen.