Dienstag, 11.09.2018
Tourismus Oberstdorf

Es ist Viehscheidzeit

Die Herbstzeit bedeutet im Allgäu auch Viehscheid-Zeit. Wir feiern das Ende des Alpsommers.

Mitte September heißt es in Schöllang und Oberstdorf für die Alphirten, Abschied zu nehmen vom Bergsommer. Nach einem langen Alpsommer kommen über 1000 Tiere endlich wieder zurück in den Stall. In Oberstdorf können Sie hautnah erleben, wie sie nach einem langen Alpsommer ins Tal getrieben und dort ihren Besitzern übergeben werden.

Die prächtig geschmückten Kranzrinder führen die Herden an und bieten einen beeindruckenden Anblick. Übrigens dürfen die Tiere nur einen Kranz tragen, wenn sie den Alpsommer ohne Unfälle oder Krankheiten überstanden haben.

Unterschieden wird zwischen Sennalpen und Galtalpen.
Während auf den Sennalpen Kühe gesömmert werden und die Milch an Ort und Stelle zu Butter oder leckerem Bergkäse verarbeitet wird, ist auf den Galtalpen das Jungvieh unter sich.

In Oberstdorf kommen die Herden am 13. September von den Alpen zurück ins Tal. In Schöllang findet der Viehscheid einen Tag früher, am 12. September, statt. Am 21. September, am Matthäustag, kommen dann die Sennalpen zurück ins Tal.

Im Tal herrscht Feststimmung. Bei den Hirten oben am Berg mischt sich in die Zufriedenheit über das Ende eines arbeitsreichen und hoffentlich erfolgreichen Sommers immer auch ein wenig Wehmut über den Abschied. Man muss es einmal erlebt haben, wenn sich die Herden dampfend im Morgennebel auf den Weg ins Tal machen. Schon lange, bevor sie zu sehen sind, kündigen sie mit lautem Schellengedröhne ihre Heimkehr an.

Der Heimweg gestaltet sich dabei stets zu einer viel bestaunten Wanderung Richtung Viehscheidplatz.

Stolz bahnen sich die Hirten mit ihrer Herde den Weg durch das Heer der Zuschauer, die mit gezückten Kameras den Alpabtrieb fotografisch festhalten. Das Gedröhn der Zugschellen kündigt die Ankunft im Tal schon von Weitem an. In Schöllang werden ab 9.00 Uhr rund 700 Tiere erwartet, die ihre Sommerfrische auf der Entschenalpe, der Hinteren Schafalpe, der Gutenalpe und der Käseralpe verlassen. Am Tag darauf kommen die insgesamt etwa 1000 Tiere von den Alpen Bierenwang, Taufersberg, Haldenwang, Rappenalpe und Biberalpe zurück zum Viehscheidplatz am Renksteg in Oberstdorf. Die erste Herde wird ab circa 9.00 Uhr erwartet. Die Alpen werden mit Tieren der Bauern im Tal „beschlagen“, die „Unterländer“ geben gern ihre Rinder für 100 Tage Bergsommer auf die hoch gelegenen Alpen. Das Futter auf den saftigen Bergwiesen, Wind und Wetter machen die Tiere robuster und widerstandsfähiger.

Für alle, die den Sommer über „im Berg“ gewesen sind, ist der Viehscheid ein ganz besonderer Tag.

Die Hirten legen Lederhosen, ein weißes Hemd und Edelweißhosenträger an, die „Fehla“ schmücken sich mit feschen Dirndln und kunstvoll geflochtenen Frisuren. Und auch die Rinder kommen üppig geschmückt mit Zugschellen, die an bestickten Lederriemen befestigt sind. Das Kranzrind trägt einen schönen Kopfschmuck aus Bergblumen und -kräutern, in die ein Spiegel eingebettet ist. Nur diejenigen Alpen, auf denen den Sommer über kein Tier durch Unfall ums Leben gekommen ist, dürfen ein solches Kranzrind an der Spitze der Herde führen.

Viele Tausende Schaulustige empfangen die Heimkehrer am Scheidplatz, wo die Tiere sortiert, aufgerufen und ihren Besitzern zurückgegeben werden. Danach wird gefeiert: im Festzelt, bei Blasmusik, Bier in Maßkrügen und Scheidwurst.

Liebe Viehscheid-Besucher,

schön, dass Sie bei dieser traditionellen Veranstaltung mit dabei sind und gemeinsam mit den Älplern und den Tieren das Ende eines unfallfreien Alpsommers feiern.
Gerade für die Tiere ist es immer eine Umstellung, wenn sie von den ruhigen Alpwiesen wieder ins Tal gebracht werden. Für die Älpler und ihre Tiere beginnt der Tag sehr früh und sie legen teilweise weite Wegstrecken zurück, bis das Kranzrind geschmückt wird. Danach folgt der Einzug auf das Viehscheid-Gelände. Die Tiere sind sicherlich ebenso angespannt wie die Älpler und deshalb ist es wichtig, dass Sie als Besucher den Herden genügend Platz lassen. Bitte halten Sie einen entsprechenden Sicherheitsabstand zu den Tieren ein, um sie nicht noch mehr unter Stress zu setzen. Bitte bleiben Sie hinter den Absperrungen. Auch von dort können Sie schöne Aufnahmen von den Herden machen. Bitte berühren Sie die Tiere auch nicht, wenn sie zum Scheidplatz getrieben werden.
Dort werden die Tiere angebunden und warten auf ihre Besitzer. Sicherlich finden Sie hier eine Gelegenheit, die prächtig geschmückten Kranzrinder zu fotografieren.

Bitte helfen Sie uns mit einem respektvollen Verhalten den Tieren und Älplern gegenüber, den Viehscheid zu einem unvergesslichen Tag zu machen.
Vielen Dank!